14
Januar
2017

Back to the Roots

Zurück zu den Anfängen

Das Jahr 2017 scheint für unsere kleine Hobbyranch ein Jahr der Veränderungen zu werden. Begonnen hat alles bereits Ende 2016, als wir in einer Nacht kurz vor Weihnachten Sandro, das Pferd unserer ältesten Tochter Yvonne unter dramatischen Umständen verloren haben. Kurz vor Mitternacht war noch alles in Ordnung - Sandro, Fee, Quito und Rocko standen wie so oft friedlich an ihrem Lieblingsplatz unter der alten Eiche und dösten. Nichts deutete auf irgendwelche Probleme hin.

Als ich dann aber am nächsten Morgen die Pferde versorgen wollte, standen am Tor nur drei Tiere, wo sonst meistens vier Pferde ungeduldig auf ihre Futterration warten. Zunächst habe ich mir nichts weiter dabei gedacht und erst einmal die Futterbäcke im Offenstall verteilt. Es kommt schließlich schon mal vor, dass ein Nachzügler sich auf dem Weg zum Stall etwas mehr Zeit läßt. Fee, Quito und Rocko gingen auch gemütlich zu ihrem Futter und ich schaute mich nach Sandro um.

Defekter Pferdezaun

Jetzt erst fiel mir die Spur der Verwüstung ins Auge, die mir zuvor gar nicht so aufgefallen war. Sämtliche Zäune waren durchbrochen, sowohl die Holzzäune mit den Stromlitzen zur Weide hin als auch die Umzäunung zur Straße. Ein Schreck fuhr mir in die Glieder, denn weit und breit war nichts von Sandro zu sehen. Sofort benachrichtigte ich unser Tochter und ihren Mann, die direkt nebenan wohnen.

Während sie sich sofort auf die Suche machten, sicherte ich auf die Schnelle erst einmal den Zugang zu den durchbrochen Zäunen, damit die verbliebenen drei Pferde nicht auch noch entweichen konnten. Dann machten auch meine Frau und ich mich auf die Suche nach Sandro. Weder bei der Polizei waren Hinweise zu einem entlaufenen Pferd eingegangen, noch in der Nachbarschaft war etwas aufgefallen.

Kurze Zeit später tauchte unsere Tochter wieder zu Hause auf mit einer niederschmetterden Nachricht. Sie hatte inzwischen auch bei einer Bekannten angerufen, bei der sie mit Sandro früher im Reitstall sehr häufig zur Ausbildung gewesen war und mußte dann am Handy erfahren, dass ihr Pferd nicht mehr lebt. Aber wie konnte das sein, zumal der Reitstall doch einige Kilometer von uns entfernt liegt? Erst nach dem Besuch im Reitstall setzte sich das Puzzle dann so nach und nach zusammen.

Liegende Pferde

Wir gehen davon aus, dass Sandro mitten in der Nacht wohl eine Kolik bekommen haben muß und dann vor Schmerzen durch die Zäune gegangen ist. Warum dass keiner bemerkt hat, können wir uns bis heute nicht erklären. Weder wir Menschen noch die drei Hunde haben davon etwas mitbekommen, obwohl diese doch sonst bei jedem Galopp der Pferde anschlagen. Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass wir mitbekommen, wenn mit unseren Pferden etwas nicht in Ordnung ist, da wir sie am Haus halten. Nun wurden wir eines Besseren belehrt.

Auf jeden Fall muss Sandro dann nicht Richtung Autobahn, die nur 500 Meter von uns entfernt ist und auch nicht Richtung Hauptstraße gerannt sein. Anscheinend ist er auf direktem Weg Richtung Reitstall galoppiert, obwohl die Strecke einige Abzweigungen hat und auch über eine Brücke führt und der Reitstall außerdem einige Kilometer von uns entfernt ist. Dort angekommen hat er sich dann durch ein kleines Gartentor Zugang zum Hof verschafft, weil der Eingang zum Hof durch ein Tor verschlossen war.

Gegen 3:30 Uhr ist die Reitstallbesitzerin dann auf den Lärm aufmerksam geworden und fand ein tobendes Pferd vor. Irgendwie schaffte sie es, Sandro in die Reithalle zu bekommen und um ihn einigermaßen zu beruhigen, holte sie eines ihrer Pferde dazu. Leider half dies auch nicht viel, so das sie schließlich den Tierarzt dazuholte. Dieser verabreichte Sandro starke Beruhigungsmittel, um ihn wenigstens untersuchen zu können. Dabei stellte sie eine Darmverschlingung fest, die sofort hätte operiert werden müssen, um überhaupt noch eine Überlebenschance zu haben.

Dafür wäre aber ein Transport in die nächste Klinik erforderlich gewesen, der mindestens noch einmal eine gute halbe Stunde gedauert hätte, und selbst dann wäre ein Erfolg mehr als fraglich gewesen. Da man in der Zwischenzeit auch schon die Polizei und die umliegenden Pferdehalter informiert hatte und keine Rückmeldung vorlag, das Pferd somit auch keinem Besitzer zuordnen konnte, entschied man sich schließlich dazu, Sandro einzuschläfern. Im Nachhinein stellte sich dann noch heraus, das bei der für uns zuständigen Polizeidienststelle deshalb keine Meldung einging, weil der Reitstall in einem anderen Kreis liegt als unsere kleine Hobbyranch.

Obwohl wir bis heute noch nicht nachvollziehen können, wie das alles in so kurzer Zeit passieren konnte, müssen wir trotz aller Tragik und allen Schmerzes zum Ende doch noch froh sein, dass keine weiteren Personen zu Schaden gekommen sind und auch die anderen Pferde nicht mit ausgebüxt sind. Trotzdem fehlt Sandro natürlich in unserer kleinen Herde, denn er war trotz seiner 17 Jahre das Spielkind, das immer für Abwechslung sorgte und auch die anderen Pferde auf Trab hielt. Nun ist es merklich ruhiger geworden und es wird in Kürze wohl noch ein wenig ruhiger werden:

Einen Tag vor Heiligabend rief uns eine Bekannte an, ob einer unserer Einstaller einen neuen Platz für sein Pferd sucht. Sie hätte bei Ebay-Kleinanzeigen eine Anzeige gesehen mit einem Pferd, dass ihr bekannt vorkam. Also schaute wir nach und mussten feststellen, das es sich um eines unserer Gastpferde handelt und seine Besitzerin bereits seit Anfang Dezember 2016 einen neuen Stall sucht. Zunächst waren wir doch ein wenig irritiert, zumal niemand mit uns gesprochen hatte. Nach Rücksprache erfuhren wir dann, dass der Besitzerin von Rocko, der erst im März 2016 zu uns gekommen war, die Möglichkeiten auf unserer kleinen Hobbyranch nicht ausreichten.

Pferde in der Herde

Wir hätten uns natürlich gewünscht, auf einem anderen Weg davon zu erfahren, aber grundsätzlich haben wir kein Problem damit. Auch wenn es sehr schade ist, so muß doch jeder seinen eigenen Weg finden und wie heißt es so schön: Reisende soll man nicht aufhalten. Somit wird uns Rocko Ende Februar verlassen, so dass Fee und Quito erst einmal alleine unseren Offenstall bewohnen werden. Auf jeden Fall sind wir offen für Neuzugänge, die den Weg zu uns finden, überstürzen werden wir aber mit Sicherheit nichts. Wenn ich dann die letzten, abwechslungsreichen Jahre auf unserer kleinen Hobbyranch so Revue passieren lasse, bin ich gespannt, welche weiteren Veränderungen uns das Jahr 2017 bringen wird...


 


Kategorien: Hobbyranch aktuell

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